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16.02.2018

Strategien für „Industrie 4.0“ und Auswirkungen auf die Produktion

Über Industrie 4.0 im Kontext mit modernen ERP-Systemen kann man aktuell so viel Quatsch lesen, dass vermutlich auch Sie schon kurz davor sind, einfach weiter zu surfen. Geben Sie uns beiden eine Chance! Nicht weil ich es verdient hätte, Ihr Unternehmen sollte es Ihnen wert sein.

Mit der Entwicklung zu Industrie 3.0, die in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre begann, haben Enterprise-Resource-Planning-Systeme ihre Funktion als Leitsystem der Unternehmensorganisation erobert. Triebfeder war die Verschlankung der Unternehmensorganisation und die mit dem Computer entstandene Möglichkeit zur Effizienzsteigerung. Die Unternehmensberater haben dann - je nach Sprachduktus - noch „Lean Management“ oder „Kanban“ in den Ring geworfen und damit den noch heute gültigen Trend zur schlanken Produktion befeuert. Diese tayloristischen Denkansätze prägen die Produktionsphilosophien bis heute und sind in ihrer hierarchischen Ausprägung doch nur begrenzt in ihrem Nutzen auf Industrie 4.0 zu übertragen.

Das klassische ERP- / PPS-System entfaltet seine Wirkung aus der hierarchischen Steuerung und Verdichtung aller Daten des Produktionsprozesses. Betriebsplanung, Logistiksteuerung und Produktionsleitebene werden eng mit den Kundenaufträgen verzahnt und ermöglichen dabei eine Optimierung bis auf die Shop-Floor-Ebene. Das ist nicht falsch und wird morgen auch nicht überflüssig. Aber - auch das sei klar gesagt - es wird morgen nicht mehr reichen.

Industrie 4.0 bedeutet zunächst einmal eine offene Kommunikation in der Produktionsebene. Aber nicht nur. In der Internet-of-Things Epoche, die wir gerade mit den ersten Produkten beschreiben, wird eine hierarchische Steuerung in vielen Teilen obsolet. Wenn alle mit allen Daten austauschen, ist die hierarchische Planung eindeutig langsamer und damit lösen sich die klassischen Planungsebenen auf. Oder platter gesagt: Wo der Sensor einfach funkt, kann das Management nichts mehr entscheiden. Die Grenzen zwischen Unternehmen und ihren Umwelten verwischen immer mehr. Und die Durchlässigkeit der Unternehmen entscheidet über ihren Erfolg.

Beispiele? Gerne. Warum sollte man einen klassischen Lohnfertiger, der keine Industrie 4.0 gerechte Infrastruktur unterhält, morgen noch manuell anfragen, während sein Wettbewerber seine freien Maschinenkapazitäten in Echtzeit zum Abruf zur Verfügung stellt? Warum sollte man den unabhängigen Serviceanbieter überhaupt noch anrufen, wenn doch gar keine Störung mehr eintritt, weil die Anlage über einen Sensor eigenständig „predictive maintenance“ plant. Intelligente Produkte und der Wandel in Servicekonzepte sind nicht etwa Zeitgeist. Das ist wirklich die vierte industrielle Revolution.

Und trotzdem ist das ERP das Rückgrat der digitalen Transformation. Welche Anwendung sonst könnte den zentralen Informationshub der Zukunft für alle Daten bereitstellen? Die genannten Beispiele zeigen eindeutig, dass sich die Produktion der Zukunft eben nicht auf den reinen Produktionsprozess beschränken lässt. Logistik, Montage, Produktentwicklung und Service profitieren gleichermaßen von der zunehmenden Prozessautomatisierung und den aus der Vernetzung entstehenden Möglichkeiten, sofern denn die ERP-Architektur die hierzu notwendige Prozessarchitektur anbietet:

1.) IoT- Anwendungen benötigen ERP-Systeme, die Workflows aktiv steuern können

IoT- Anwendungen sind essenzieller Bestandteil der meisten Industrie 4.0 Projekte. Wenn Materialbewegungen automatisch erfasst und Maschinenzustände elektronisch übermittelt werden, müssen diese Daten auch in Lieferketten und Fertigungsprozessen direkt nutzbar sein. Das ERP-System muss also in Echtzeit automatisiert auf Ereignisse reagieren können. Dies funktioniert nur, wenn das eingesetzte ERP-System über eine entsprechende, integrierte Workflow-Engine verfügt. Prozessautomatisierung und Effizienzsteigerung sind also quasi direkte Abfallprodukte eines gelungenen Industrie 4.0-Projektes.

Der Einstieg in solche Projekte fällt heute übrigens wesentlich leichter, als es sich manche Entscheider vorstellen können. In vielen Fällen braucht es nicht mehr als ein paar Sensoren oder RFID-Chips, im Zweifel tut es sogar der alte Barcode, und schon können Prozesse weitgehend automatisiert werden.

2.) Business Intelligence strategisch nutzen

Aktuelle Untersuchungen zeigen es eindeutig. Digitale Gewinner haben nicht unbedingt die besseren Mitarbeiter. Aber digitale Gewinner treffen ihre Entscheidungen auf Basis aussagefähiger Daten. Es ist also entscheidend, was Sie messen. Wenn Sie alle Einsätze aus Instandhaltung und Service konsequent im ERP-System erfassen, dann verfügen Sie in einem adäquaten Zeitraum über die entsprechenden Daten, um zuverlässige Prognosen abgeben zu können, wann bei welcher Maschine mit einem Ausfall zu rechnen ist. Hierzu benötigen Sie lediglich ein modernes ERP-System mit einer geeigneten Business-Intelligence-Komponente.

Ob und welche Daten Sie messen, ob und welche Daten Ihrer Anlagen Sie erfassen und ob Sie aus diesen Daten ein geeignetes Geschäftsmodell für Ihr Unternehmen entwickeln können, wird auch morgen noch Ihrem eigenen Geschick überlassen. Aber im Standard kann Sie ein modernes ERP-System schon dabei unterstützen mithilfe der BI- Komponente Ihre betriebswirtschaftlichen Kennzahlen permanent zu kennen und so zu einer schnelleren Entscheidungsfindung zu kommen.

Erfolgreiche Industrie 4.0 Anwendungen setzen voraus, dass produzierende Unternehmen ein besseres Verständnis für ihre Daten entwickeln. Den Umgang mit Daten muss man aber lernen. wichtig ist es also, einen Einstieg zu finden und von Beginn an auf eine Architektur zu setzen, die auch mit großen Datenmengen zurechtkommt.

3.) Zusammenarbeit durch Web-Portale ermöglichen

Wenn Sensoren Daten über Unternehmensgrenzen austauschen, werden Geschäftsprozesse automatisiert angestoßen. Damit steigt aber das Bedürfnis nach Austausch über die Unternehmensgrenzen hinweg. Wollen Sie Kunden oder Lieferanten einen sicheren Zugang auf diese Daten gestatten, bedeutet das, dass Sie einen kontrollierten Zugriff auf das ERP-System von außen organisieren müssen. Hier spielen nicht nur Sicherheitsaspekte eine wesentliche Rolle, sondern auch die Möglichkeit des barrierefreien Zugriffs. Mobile Anwendungen und der rollenbasierte Zugriff auf Daten sind entscheidende Aspekte eines modernen Unternehmensportals mit ERP-Integration. Eine personalisierte Customer Journey kann digitale Erlebnisse schaffen, die die Kundenbindung erhöhen. Zwar wird im Produktionsunternehmen der Zukunft auch morgen noch das Produkt im Mittelpunkt stehen, aber das Produkt wird digital sein. Stellen Sie sich eine Welt vor, in dem Ihr Kunde auf Ihr Portal zugreift und den Lebenszyklus seines Produktes online verfolgen kann. IoT-Portale ermöglichen eine Kundenbindung, die man sich heute kaum vorstellen kann. Anwendungsbeispiel? Schließen Sie mal Ihr Smartphone an und schauen sich iTunes an. Der Rest sind Ihre Ideen.

Lassen Sie uns also noch mal zusammenfassen: Moderne ERP-Systeme benötigen eine stärkere Integration in Softwaresysteme auf Werkstatt- bzw. Maschinenebene und die Öffnung zu Fremdsystemen. ERP-Systeme werden noch agiler und flexibler werden. Die Herausforderung wird darin bestehen, den Kunden trotz komplexer Fertigungsprozesse Schnelligkeit und Service zu garantieren und mit kurzen Lieferzeiten und einer exakten Ermittlung von Lieferterminen bereits bei der Auftragsvergabe eine noch höhere Kundenbindung zu erzielen. Außerdem sollten sich Produktionsunternehmen bewusst sein, dass der Wettbewerb von morgen weniger im Produktions-Know-how sondern mehr im Kundennutzen liegen wird. Neue Geschäftsmodelle können den Unterschied machen.

Dies erfordert eine flexible und generalisierte Prozesstechnologie!

 

Diese Agilität und Flexibilität wird sich spürbar zeigen durch:

  • - Ausschöpfung der vorhandenen Automatisierungspotentiale
  • - Minimierung manueller Interaktionen in den Geschäftsabläufen
  • - Flexibilität für Veränderung mit minimalen Aufwand
  • - Bewältigung großer Datenmengen in Echtzeit
  • - Kommunikation zwischen Firmen
  • - die Nutzung offener Schnittstellen
  • - die Optimierung der Kunden- und Lieferanteninteraktionen
  • - ein Datenmanagement auf zentraler Basis „Single Source of Truth“

 

Der Nutzen für die Unternehmen wird sich durch

  • - höhere Kundenzufriedenheit und schnellere sowie zuverlässige Informationen
  • - bessere Beratung, kürzere Lieferzeiten, besseres Qualitätsmanagement
  • - höherer Liquidität durch Minimierung der Lagerbestände
  • - schnellere Durchlaufzeiten
  • - und geringere administrative Aufwände

ergeben.

 

Und wann starten Sie Ihr Industrie 4.0 Projekt?

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